interview
Ausschnitt aus dem Interview anlässlich des Preview-Anlasses bei der Ausstellungseröffnung 2026.
Frage: Stell dich und deine Kunst bitte kurz vor.
Tamara: Ich bin Tamara und komme ursprünglich aus Georgien. Ich habe in der Schweiz studiert, lebe hier und habe mein Kunstatelier in Basel. Ich bin Künstlerin und Grafikdesignerin.
Für mich bedeutet Kunst, meine innere Welt durch Kreativität und Handwerk nach aussen zu tragen. Wenn ein Kunstwerk fertig ist, fühlt es sich für mich so an, als wäre in meinem inneren, unendlichen Hochhaus ein neuer Raum bezogen worden. Durch das fertige Werk wird dieser Raum auch für andere Menschen zugänglich.
Frage: Wie bist du darauf gekommen, Beton als Hauptmaterial für deine Skulpturen zu verwenden?
Viele empfinden ihn ja als eher unscheinbar oder sogar hässlich.
Tamara: Beton und Kupfer sind die beiden Materialien, die in meinen Skulpturen am häufigsten vorkommen. Dazu kommen Epoxidharz und verschiedene andere Werkstoffe.
Ich bin in der Betonwüste der sowjetischen Grossstadtarchitektur aufgewachsen. Das Stadtbild war geprägt von betonierten Parks, Strassen und Plätzen, von Monumenten und Wandreliefs.
Man könnte denken, dass ich dadurch zu einer Naturfanatikerin geworden bin – jemandem, der Bäume umarmt und jeden Blumentopf bepflanzt. Aber tatsächlich hat gerade meine Kindheit in den betonierten Innenhöfen meine Liebe zu diesem Material geprägt.
Mich fasziniert diese graue Masse, die formbar, schwer und gleichzeitig sehr vielseitig ist. Beton kann rau oder fein, sinnlich oder brutal wirken. Für mich gibt es mit diesem Material kaum Grenzen – ausser denjenigen, die sein Gewicht vorgibt.
+
Frage: Wenn ich deine Werke anschaue, sehe ich viele primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale. Warum verwendest du gerade diese Motive?
Tamara: Ah, die berühmte Frage nach der Vulva. In meinen Arbeiten gibt es ungefähr gleich viele Geschlechtsmerkmale wie ganz gewöhnliche Körperteile – zum Beispiel Augen, Lippen oder Gesichter. Der Schwerpunkt entsteht oft im Auge der Betrachtenden. Eine Vulva oder eine Brust zieht den Blick offenbar besonders stark an.
Sobald meine Idee mich verlässt bzw. in einem Kunstwerk endet, liegt es an den Betrachtenden, was sie darin erkennen und wie sie es interpretieren. Sie können sich darin wiederfinden, sich selbst reflektieren, irritiert oder sogar beschämt sein.
Wenn ich meine Werke selbst anschaue, sehe ich aber zuerst das Material und die Form. Ich möchte dem Beton bzw. dem Stein Leben und Emotionen geben. In meinen Skulpturen versuche ich, uns Menschen, unsere Natur, unsere Sorgen und Freuden, aber auch soziale und politische Themen aus meinem Alltag zu verarbeiten.
Für mich ist es sowieso schwer verständlich, wer entscheidet, dass ein Mund, eine Nase oder Füsse problemlos in der Kunst öffentlich gezeigt werden dürfen, eine Vulva aber entfacht Diskussionen. Natürlich leben wir in einer Gesellschaft, in der solche Normen bestehen. Aber wie wäre es, wenn jede Person eigene Grenzen selbst setzen würde? gerade dieses "Was wäre, wenn?" interessiert mich. Warum gelten manche Körperteile als völlig selbstverständlich, während andere als anstössig oder peinlich betrachtet werden?
Frage: Was wünschst du dir für die Ausstellung?
Tamara: Ich hoffe, dass dieser spannende Mix aus Kunstwerken und ihren Botschaften viel Aufmerksamkeit erhält. Denn hier geht es nicht nur um Kunst, sondern auch um aktuelle und kritische gesellschaftliche Themen.
Und um Handwerk: In einer Zeit voller KI und digitaler Inhalte sind hier viele Stunden Arbeit, Schweiss und Konzentration ausgestellt. Vielleicht ist das auch eine gute Erinnerung daran, für ein paar Stunden offline zu gehen und selbst etwas zu schaffen.
wo?
Die Kunstwerke können während der aktuellen Ausstellungen oder nach vorheriger Anmeldung in der Galerie Gleis4 in Zug besichtigt und erworben werden.
Anfragen können per E-Mail an galerie.gleis4@breznik.ch oder über das Kontaktformular gerichtet werden.
![]() | ![]() | ![]() |
|---|







